#1 Die Ungeheuerlichkeit ist die Wortwahl des Wald-Michelbacher Bürgermeisters von Horst Mikkat 16.01.2012 00:21

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Leserbrief:

Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Wald-Michelbach hat mir der Fraktionsvorsitzende der CDU Dieter Kunkel nicht die Hand gegeben, als ich ihm ein Frohes Neues Jahr wünschen wollte...

Feinden gibt man nicht die Hand: aus altsteinzeitlicher Erfahrung weiß man, wer rechts die Hand gibt, mit der Linken eine Keule oder wenigstens eine Faust auf den Kopf bekommt.

Ich bin kein Feind von Herrn Dieter Kunkel, sondern in der Opposition und somit vielleicht ein politischer Gegner.
Demokratie heißt in den politischen Gremien Mehrheit und Minderheit. Minderheit ist gewöhnlich die Opposition. Opposition in der Demokratie bedeutet Widerspruch gegen die Meinung und Herrschaftsausübung der Mehrheit.
Das heißt, die Mehrheit hat das Sagen, denn sie ist für eine Wahlperiode gewählt.Opposition fördert aber die Transparenz und die sonst oft berufene Bürgerbeteiligung. Wenn die Wähler das nächste Mal anders entscheiden, zum Beispiel weil sie die Argumente der Oppostion für vernünftiger und sinnvoller halten, kann sich das allerdings ändern!

Manchmal dauert es aber länger, wie das Beispiel AKW zeigt. Herr Dieter Kunkel hat noch 3 Wochen nach der dreifachen Atomkatastrophe von Fukushima gesagt: "Wir haben eine differenzierte Meinung zur Atomkraft". Da war Frau Merkel(Christdemokratin) schon klüger geworden.

Allerdings muss ich noch ein weiteres Thema anschneiden:
Nicht Dieter sondern Bürgermeister Joachim Kunkel hat den Fraktionsvorsitzenden der Wald-Michelbacher Grünen Hermann Engesser einer "Ungeheuerlichkeit" beschuldigt. Der hatte Anzeige wegen von der Gemeindeverwaltung frankierter CDU-Einladungen während des Wahlkampfes erstattet. Die Anzeige wurde niedergeschlagen.

Aber die Ungeheuerlichkeit ist nicht dies. Die Ungeheuerlichkeit ist die Wortwahl des Wald-Michelbacher Bürgermeisters. Er hat Engesser einen "Brunnenvergifter" und dies mehrfach genannt. Weiß er oder auch nicht, dass die Juden des Mittelalters von den deutschen Christen als Brunnenvergifter denunziert worden sind, wenn wieder ein Pogrom geplant war...

Horst-J. Mikkat Wald-Michelbach

#2 RE: Die Ungeheuerlichkeit ist die Wortwahl des Wald-Michelbacher Bürgermeisters von Jörg Maletz 17.01.2012 23:55

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Der "ungeheuerliche Vorgang", ist die Bezeichnung Hermann Engessers als "Brunnenvergifter" durch Bürgermeister Joachim Kunkel !
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Strafgesetzbuch
Besonderer Teil (§§ 80 - 358)
7. Abschnitt - Straftaten gegen die öffentliche Ordnung (§§ 123 - 145d)
§ 130
Volksverhetzung

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
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Der § 130 trifft juristisch wohl nicht zu, weil in dem Redebeitrag von Herrn Bürgermeister Kunkel " Engesser hat sich einmal mehr als Brunnenvergifter gezeigt" keine "nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe" oder "Teil der Bevölkerung" benannt wird, es geht "nur" um eine Person. In der Sache aber trifft § 130 Stgb. , was denVorwurf der "Brunnenvergiftung" angeht, zu!

Der Große Brockhaus, 15. Aufl., Leipzig 1929:

„Brunnenvergiftung, …
Bei Ausbreitung gewisser Seuchen, wie der Pest, der Cholera, wiederholte sich oft die Erscheinung, daß das Volk auf die unbegründete Meinung verfiel, die allgemeine Erkrankung sei durch eine absichtliche Vergiftung der Brunnen herbeigeführt. Namentlich im Mittelalter wurde dieser Irrtum zuzeiten, in denen der sog. Schwarze Tod (Pest) herrschte, für den fanatischen Pöbel Veranlassung, die Totengräber und Ärzte als Urheber des Übels zu beschuldigen. Eine noch schlimmere Folge dieser Vorurteile waren in der Mitte des 14. Jahrh. zur Pestzeit die schrecklichen Judenverfolgungen, die kaum durch die Bannsprüche des Papstes Clemens VI. unterdrückt werden konnten. Es sollten damals angeblich die Brunnen, ja sogar die Luft, von den Juden vergiftet worden sein, um, wie man meinte, die Christenheit zu vertilgen. Der Wahn, der Feind habe die Brunnen vergiftet, findet sich vereinzelt noch im 19. Jahrhundert…“
Er fand sich in der Zeit des Nationalsozialismus.......
Und heute wieder im Wald-Michelbacher Rathaus, wie die Rede des Bürgermeisters zeigte, nachzulesen in der OZ vom 12. Jan.2011.


Hier nähert sich der platte Populismus eines odenwälder Bürgermeisters dem menschenverachtenden platten Aktionismus einer "NSU" !
Wie gesagt: " Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch"!

Jörg Maletz

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#3 RE: Die Ungeheuerlichkeit ist die Wortwahl des Wald-Michelbacher Bürgermeisters von Astulf v. Graswitz 18.01.2012 09:37

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Werte Herren.
Als neutraler Beobachter möchte ich doch kurz bemerken, dass bei aller verständlicher Antipathie
ihrerseits nicht vergessen werden sollte, dass es den Ausdruck des "Brunnenvergifters" durchaus
auch als rhetorischen Begriff, gerade auch in politischen Debatten, gibt.
Man sollte sich hier nicht wieder nach Irgendwohin verrennen und auch mal die Kirche im Dorfe lassen.

Gruß, Astulf

#4 RE: Die Ungeheuerlichkeit ist die Wortwahl des Wald-Michelbacher Bürgermeisters von glasprost 18.01.2012 12:05

Jepp,

besonders wenn die Not groß ist, wird gerne in den Eimer der Derbheiten gegriffen. Ein Beispiel:

"Herr Gabriel wird in seiner parteipolitischen Not immer mehr zum Brunnenvergifter der Demokratie."

So Guido Westerwelle 2010 in Berlin zur heftigen und berechtigten Kritik des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel an den Hotelspenden für die Liberalen. Und ob ein selbstherrliches Landbürgermeisterlein, Niveau in Fliesenhöhe argwöhnend, da groß drüber nachdenkt, wage ich zu bezweifeln. Wenn er nicht gar einen Ghostwriter und -Texter hat....

MfG glasprost

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