#1 Jetzt wirdís ernst mit der grünen Energiezukunft von Der Aufklärer 14.04.2011 11:14

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Prof. Eicke Weber © fraunhofer.de - Claudia Seitz

Eicke R. Weber erwartet nicht nur eine neue Energiepolitik, sondern auch einen anderen Umgang mit den Bürgern. Das Ergebnis der Landtagswahl beendete 58 Jahre CDU-dominierter Politik in Baden-Württemberg. Die Analyse des Wahlergebnisses springt oft zu kurz, mit der Betonung des unglückseligen Projektes eines Tiefbahnhofs im Zentrum von Stuttgart und der entsetzlichen Kernkatastrophe von Fukushima in Japan, die zu einer unglaublichen Wende der Energiepolitik der Bundes- und Landesregierung führte. Gastkommentar von Eicke R. Weber

Der wahre Grund für dieses Wahlergebnis liegt sechs Monate zurück. Es war die mutwillige Aufkündigung des Atomkompromisses von 2002, der einen sorgfältig planbaren Ausstieg aus dieser gefährlichen Technologie bis 2022 vorsah. Die Diskussion in Deutschland nach Fukushima hätte heute einen vollkommen anderen Charakter, wenn sie noch auf der Basis dieses Vertrags stünde. Niemand kann sagen, dass es nicht genug Warnungen vor der mutwilligen Zerstörung eines breiten gesellschaftlichen Konsens in dieser Frage gegeben hat: Pacta sunt servanda (Verträge sind einzuhalten)!

Es gibt viele Klagen über die Schwierigkeit, in Deutschland komplexe Vorhaben politisch durchzusetzen. Die Rede ist oft von der Technikfeindlichkeit. Es gibt in Deutschland tatsächlich Vorsicht vor neuer Technik. Der Hauptgrund für die schwierige Durchsetzung solcher Projekte könnte aber ein anderer sein: das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung in die Wahrhaftigkeit der führenden Politiker.

Bei Stuttgart 21 ist gut bekannt, dass die Verlegung des Bahnhofs interessante Grundstücksgeschäfte möglich macht, große Flächen werden durch den neuen Tiefbahnhof bebaubar. Die Bahn plante für die Kopfbahnhöfe Frankfurt, Stuttgart und München einen Umbau in Durchgangsbahnhöfe. Nur Stuttgart war bereit, der Bevölkerung diesen Schritt zuzumuten, obwohl dort die Topologie besonders schwierig ist. Eine Lösung wie in Frankfurt mit einem Durchgangsbahnhof am Flughafen und einem regional betonten Kopfbahnhof im Stadtzentrum war sicher sinnvoll. Dagegen blieb der Ausbau der schnurgeraden Rheinstrecke auf Geschwindigkeiten bis 300 Kilometer pro Stunde, die uns in einer guten Stunde von Freiburg nach Frankfurt brächten, bisher auf der Strecke. Warum wohl?

Die Aufkündigung des Atomkompromisses wurde damit begründet, dass nur so die Einführung erneuerbarer Energien möglich sei, die Kerntechnik solle eine Brücke in die Zukunft der erneuerbaren Energien bauen. Die Experten auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien sowie die Solar- und Windindustrie waren sich dagegen einig, dass nur der zügige Abbau der Kernkraftkapazitäten den weiteren Zubau erneuerbarer Energien erlaubte.

In den vergangenen Jahren musste Deutschland netto Strom exportieren, da der Zubau der Erneuerbaren unerwartet rasch war. Es gab aber für die Laufzeitverlängerung gegen die Wünsche der Bevölkerung einen finanziellen Grund: Abgeschriebene Kernmeiler ohne neue Sicherheitsauflagen sind Gelddruckmaschinen im Milliardenbereich. Heute wird die Kündigung der Kündigung, eine Verkürzung der Laufzeiten sogar schneller als im alten Kompromiss geplant, wieder damit begründet, dass so die rasche Einführung der erneuerbaren Energien möglich wird. Wer soll solchen Politikern denn noch glauben?

Schauen wir nach vorn: Wir haben jetzt in Baden-Württemberg die Chance einer global beispielhaften Energiepolitik mit raschestmöglicher Umstellung auf bevorzugt dezentral eingespeiste erneuerbare Energien, mit neuen Ansätzen zur Speicherung überschüssiger Energie zum Ausgleich der zeitlichen Schwankungen.

Auch der Bau leistungsfähiger Nord-Süd-Stromtrassen wird erforderlich sein, möglichst in Hochspannungs-Gleichstromtechnologie ohne elektromagnetische Wechselfelder und unter Verwendung der bestehenden Masten. Zwei Wochen vor seinem Tod erklärte mir der Solarpionier Herrman Scheer, dass er Pläne für die rasche Umstellung des Energiesystems in Hessen vorbereitet hatte. Die Umsetzung wurde durch eine Intrige innerhalb der SPD mit enger Verbindung zur Energieindustrie verhindert, mit dem absurden Ergebnis, dass SPD-Landtagsabgeordnete sich weigerten, ihre Parteigenossin zur Ministerpräsidentin zu wählen.

Nun haben wir in unserem Ländle die einmalige Chance, beispielhaft den weltweit wichtigen Übergang in eine grüne Energiezukunft in die Hand zu nehmen. Von Ministerpräsident Kretschmann erwarte ich auch eine neue Atmosphäre der Ehrlichkeit im Umgang mit den Wählern, was das Aktzeptanzproblem für wirklich wichtige Großprojekte erleichtern sollte.

Quelle:

Eicke R. Weber 2011: erw@ise.fraunhofer.de

Der Autor ist Direktor des Fraunhofer- Instituts für Solare Energiesysteme

Erstveröffentlichung "Badische Zeitung" | 02.04.2011

#2 RE: Jetzt wirdís ernst mit der grünen Energiezukunft von Jörg Maletz 14.04.2011 13:18

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-Z-

#3 RE: Jetzt wirdís ernst mit der grünen Energiezukunft von Hufschmied 14.04.2011 13:22

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Ich denke dies gilt auch für Hessen und im Kleinen für Wald-Michelbach.
Wäre es nicht gut, daß möglichst viele Bürger Wald-Michelbachs unserem Bürgermeister zeigen, wie wichtig eine Energiewende auch für uns ist.
Zum Beispiel in Form einer Unterschriftenaktion?

der Hufschmied

#4 RE: Jetzt wirdís ernst mit der grünen Energiezukunft von Der Aufklärer 14.04.2011 15:35

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Auch das Bundesumweltamt ist gedanklich schon viel weiter als die an der Macht befindlichen Politiker.
http://www.nachhaltigwirtschaften.net/sc...s.prg?a_no=4325

100 Prozent Erneuerbare Energien
Eine realistische Option? Dr. Lehmann sagt: JA!
Schon in der Einführung des Vortrags- und Diskussionsabends, der am 5. April 2011 im Münchner Zukunftssalon stattfand, wurde die Versorgung mit ausschließlich Erneuerbaren Energien als "Wunschvorstellung von allen" bezeichnet. Doch das alleine reiche nicht aus - sie müsse auch realistisch sein. Wie der Traum Realität werden kann, zeigte Dr. Harry Lehmann, Leiter "Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien" des Umweltbundesamtes.


Auszug:

...Es gibt unterschiedliche Ausgestaltungen der Versorgung mit diesen Energien. Stellt man sich ein Diagramm mit den Achsen dezentralisiert-zentralisiert und international-lokal vor, werden drei Möglichkeiten deutlich: lokale Autarkie im dezentralisierten lokalen Bereich, internationale Kooperation im zentralisierten internationalen Bereich und der Mittelweg regionaler Netzwerke. Das Konzept "DESERTEC", das die saubere Stromerzeugung in sonnenreichen Gebieten wie der Wüste für die Versorgung der ganzen Menschheit vorsieht, ist ein Beispiel für internationale Kooperation.

Neben "DESERTEC" gibt es weitere Möglichkeiten der sauberen Energieversorgung. So stellte Dr. Lehmann Szenarien vor, mit denen sich beispielsweise Katalonien und sogar Japan durch die geographisch vorteilhafte Lage vollständig selbst mit Erneuerbaren Energien versorgen können. In Deutschland sei das Szenario "Wilhelmsburg" genannt, wo die Energieversorgung auf einer Planung beruht, die jedem Häuser- und Geländetyp eine entsprechende Rolle zukommen lässt. Nach der Präsentation dieser Szenarien lautete das Fazit des Vortrags: Jede der oben genannten drei Varianten ist selbstständig und in beliebigen Mischformen technisch möglich. Die Frage zum "100 Prozent Erneuerbare Energien"-Ziel ist längst nicht mehr: "Geht das überhaupt?" Sondern: "Wie können wir das maximal ausgestalten?"

Verbindliche Ziele weisen den Weg

Hier kommen Politik und Gesellschaft ins Spiel. Um die Energieversorgung sicherzustellen, gilt es, verbindliche Ziele für Emissionsminderungen und Erneuerbare Energien zu setzen, sowie eine effizientere und intelligentere Energienutzung zu unterstützen. Eine intelligentere Steuerung fängt dabei schon in kleinen Bereichen an - intelligente Kühlschränke, die ihre Temperatur an die Verfügbarkeit von Energie anpassen; Bewegungsmelder in der Beleuchtung - und reicht über intelligenten Gebäudebau bis hin zu dem Konzept eines Stromnetzes, das wie unser Straßennetz in öffentlicher Hand liegt. Dafür ist es notwendig, die rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen sowie die Raumordnung im Hinblick auf die Nutzung Erneuerbarer Energien anzupassen. Zudem müssen die Weiterentwicklung der notwendigen Infrastruktur und der Umbau der konventionellen Kraftwerksparks gefördert werden. Eine weitere wichtige Aufgabe liegt in der Intensivierung der Energieforschung. Heute gibt die EU in der Forschung am meisten Geld (pro Technologie) für die Kernforschung aus - das muss sich ändern. Auch in die Ausbildung sollte mehr investiert und Akzeptanz für die Energiewende geschaffen werden.

Was jetzt noch fehlt, ist die Entscheidung über die Ausgestaltung - an dieser Stelle kommen wieder die Achsen der Versorgungsmatrix ins Spiel. Für den Referenten Dr. Lehmann stellt sich eine nachhaltige (energetische) Regionalentwicklung als optimale Lösung dar. Regionale Entwicklungspotenziale nutzen heißt konkret, Stadtwerke als umfassende Energiedienstleister zu verstehen, virtuelle Regel-Kraftwerke zu nutzen, den Verkehr nachhaltig zu gestalten und die Region als überregionalen Energiebereitsteller zu etablieren. So können schon bestehende Infrastrukturen genutzt und unnötige Umstellungen verhindert werden. Die gute Nachricht dabei ist, dass diese Entwicklung "von unten" bereits in über 50 Prozent der Regionen Deutschlands auf dem Weg ist.


Schön wäre, wenn der letzte Satz auch bald auf unsere Gemeinde zutreffen würde!

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