#1 Europa Präsidentschaftswahl in Frankreich von Weltbürger 07.05.2017 23:26

Ein Interessanter Kommentar auf Zeit online zur Stichwahl.

"Ich habe mehr Angst vor Macron als vor Le Pen"

Soumia Montcoudial kann in diesem Jahr zum ersten Mal ihr Staatsoberhaupt wählen: Die gebürtige Marokkanerin hat erst kürzlich die französische Staatsbürgerschaft erlangt. "Und nun bin ich ausgerechnet in das schwierigste Wahlduell aller Zeiten gerutscht", sagt die 30-Jährige. Als Einwanderin verabscheut sie die ausländerfeindliche Hetze der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen. Als Krankenpflegerin kann sie nichts mit dem Programm des liberalen Emmanuel Macron anfangen: Er will, dass sie später als mit 62 Jahren in Rente gehen kann, und Macron will, so fürchtet Montcoudial, ihre Überstunden nicht mehr bezahlen. "Wir machen im Krankenhaus einen harten Job für wenig Geld, wir können keine Stunde verschenken." So wird die Mutter zweier Kinder wahrscheinlich ungültig wählen. Oder doch für Marine Le Pen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-...le-pen-slowblog


Mit Macron als Präsident können sich die Franzosen auf Reformen nach dem deutschen Agenda-Muster freuen. Marine LePen wird dann 2022 von niemandem mehr zu stoppen sein.

#2 RE: Europa Präsidentschaftswahl in Frankreich von Kaspar Hauser 08.05.2017 10:07

avatar

"Die Frage lautet: Autoritärer, protektionistischer National­staat oder offen lebende, Handel treibende und zusammen die Probleme lösende Gesellschaften – in einem starken ­Europa?

Die Hände in Unschuld waschen geht nicht mehr. Wer Le Pen wählt, wählt Le Pen. Wer nicht Macron wählt, wählt auch Le Pen.

Ja, das wird schwierig mit den Parlamentswahlen und sowieso. Aber für patriotische Europäer ist Macron nicht das kleinere Übel, sondern eine kleine, aber unerwartete und dadurch umso wunderbarere Chance. Macron Président!"

Aus: https://www.taz.de/Kolumne-Die-eine-Frage/!5404261/

#3 RE: Europa Präsidentschaftswahl in Frankreich von Mäuschen 08.05.2017 10:32

Ich weiß, die Diskussion zwischen Macron und Le Pen ist nicht einfach, dies zeigen auch die Äußerungen der gebürtige Marokkanerin im obigen Beitrag. Auch nicht einfach, weil man schnell als Rechter abgestempelt wird.

Vielleicht hilft die Geschichte vom Mäuseland, um die Situation in Frankreich (nicht nur zur Stichwahl) besser zu verstehen:

Das Mäuseland

Dies ist die Geschichte von Mäuseland. Mäuseland war ein Ort, an dem all die kleinen Mäuse lebten und spielten, geboren wurden und starben. Sie lebten eigentlich ganz so, wie du und ich.

Sie hatten sogar ein Parlament. Und alle vier Jahre gab es eine Wahl. Sie gingen an die Urnen und gaben ihre Stimmen ab. Ganz so, wie du und ich. Bei jeder Wahl gingen also all die kleinen Mäuse zahlreich an die Wahlurnen und wählten eine Regierung. Eine Regierung von großen, fetten, schwarzen Katzen.

Jetzt mögt ihr denken, daß es seltsam sei, wenn Mäuse sich Katzen als Regierung wählen, aber betrachtet nur einmal die Geschichte Kanadas der letzten 90 Jahre, und ihr werdet vielleicht erkennen, daß sie nicht viel dümmer waren als wir.

Ich will gar nichts gegen die Katzen sagen. Das waren nette Leute. Sie führten die Regierungsgeschäfte mit Würde. Sie machten gute Gesetze – das heißt, gut für Katzen. Aber waren die Gesetze auch sehr gut für Katzen, so waren sie doch eher schlecht für die Mäuse. Eines der Gesetze besagte, daß ein Mäuseloch groß genug für eine Katzenpfote sein mußte. Ein anderes legte Geschwindigkeitsbegrenzungen für den Lauf der Mäuse fest, so daß eine Katze sich für ihr Frühstück nicht allzusehr anstrengen mußte.

All die Gesetze waren gute Gesetze. Für Katzen. Aber Ach! Wie hart waren sie zu den Mäusen! Das Leben wurde schwerer und schwerer. Als die Mäuse es nicht länger ertragen konnten, beschlossen sie, etwas zu unternehmen. Also zogen sie in großer Zahl zu den Wahlen. Sie wählten die schwarzen Katzen ab. Stattdessen wählten sie die weißen Katzen in die Regierung.

Die weißen Katzen hatten eine großartige Kampagne geführt. Sie sagten „Was in Mäuseland fehlt, sind politische Visionen!“ Sie sagten „Das Problem in Mäuseland sind diese runden Mäuselöcher die wir hier haben. Wenn ihr uns wählt, werden wir rechteckige Mäuselöcher einführen.“

Und das taten sie. Und die rechteckigen Mäuselöcher waren doppelt so groß, wie die runden. Nun konnte eine Katze mit beiden Pfoten hineinlangen. Das Leben wurde schwerer als je zuvor. Als sie es nicht mehr ertrugen, wählten sie die weißen Katzen ab und setzten die schwarzen Katzen wieder ein. Dann wählten sie wieder die weißen Katzen, dann wieder die schwarzen. Sie versuchten es mit zur Hälfte schwarzen und weißen Katzen. Das nannten sie Große Koalition. Sie wählten sogar eine Regierung aus gepunkteten Katzen: Das waren Katzen, die versuchten wie Mäuse zu klingen, doch sie ernährten sich genauso wie die anderen Katzen.

Seht ihr, Freunde, das Problem hatte nichts mit der Farbe der Katzen zu tun. Das Problem war, daß es Katzen waren! Und weil es Katzen waren, kümmerten sie sich natürlich um die Interessen der Katzen, statt um die der Mäuse.

Schließlich jedoch, war da eine kleine Maus, die hatte eine Idee. Und sie wandte sich an ihre Artgenossen und sprach „Schaut Freunde! Warum wählen wir immer wieder eine Regierung, die nur aus Katzen besteht? Warum wählen wir nicht stattdessen eine Regierung aus Mäusen?“ „Oh!“ riefen die Mäuse erschreckt, „Er ist ein Kommunist! Sperrt ihn ein!“

Und so sperrten sie ihn ins Gefängnis.

Aber ich will euch daran erinnern: Daß man eine Maus oder einen Menschen einsperren kann, eine Idee aber nicht!

Tommy Douglas (1904 -1986) New Democratic Party of Canada

#4 RE: Europa Präsidentschaftswahl in Frankreich von 08.05.2017 12:56

Wird wohl auch auf den Ausgang der Bundestagswahl zutreffen!
Ein wenig mehr oder weniger schwarz oder rot, das wird es wieder gewesen sein.

#5 RE: Europa Präsidentschaftswahl in Frankreich von Gast 10.05.2017 16:32

Die Geschichte von Mäuseland ist ja sehr schön.

Was aber, wenn Mäuse zu Kannibalen werden, kaum dass endlich mal Mäuse an die Regierung gewählt wurden?

#6 RE: Europa Präsidentschaftswahl in Frankreich von 10.05.2017 19:58

Da wird das Grundproblem wieder offensichtlich, entweder ist die Maus ein Kommunist oder Kanibalist und damit bleibt wie es ist, das ist die Moral der Geschicht.
Und es wird eine Chance vertan, dass sich eine Maus um die Belange der Mäuse kümmert könnte. Dies werden dann weiterhin die Katzen übernehmen und die Oberkatze wird sagen: Liebe Mäuse, uns geht es gut! Wenn die Mäuse weiterhin den Gürtel bei sich enger schnallen.

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz